Zeitschrift Rezensionen

Rezensiert von: Piotr Gotówko

Rochala Paweł, Nimptsch im Jahre 1017 [Originaltitel: Niemcza 1017] Bellona, Warschau 2012, 2 3 9 Seiten ; ISBN 978-83-11-12235-2

1 Nimptsch im Jahre 1017 [Originaltitel: Niemcza 1017]

2 Die Burg Nimptsch (poln. Niemcza) war im Jahre 1017 der Schauplatz einer für die damaligen Verhältnisse riesigen Belagerung und zugleich der letzte Akt eines sehr langen, erschöpfenden Krieges, die sich der deutsche Kaiser Heinrich II. (1002-1024) und der polnische Fürst Boleslaw der Tapfere (992-1025) seit rund fünfzehn Jahren lieferten. Um dem Leser die Genese dieser Auseinandersetzung zu erklären, beginnt der Autor mit einer Beschreibung der politischen Lage ab dem Jahre 972. Nach dem polnischen Sieg über Hodon bei Cedynia zwang der damalige Kaiser Otto I. den polnischen Fürst Mieszko I., ihm seinen siebenjährigen Sohn Boleslaw als Geisel zu geben. Er wurde in Quedlinburg oder Magdeburg gehalten. Als zwischen Otto II. und dem Fürst Heinrich dem Zänker ein Bürgerkrieg um die Krone entbrannte, schlug sich Boleslaw II. der Fromme aus Tschechien auf die Seite des Bayern, während Mieszko Zurückhaltung übte. Der Autor redet dabei konsequent von Tschechien und nicht von Böhmen. Mieszko bewirkte mit seiner Haltung, dass sein Sohn aus der Geiselhaft entlassen wurde. In diesem kurzen, reichhaltigen Überblick beschreibt der Autor sehr überzeugend und verständlich die politische Situation. Man kann ihm allerdings vorhalten, dass er bei den vielen Ereignissen keine Jahreszahlen nennt. Der junge Boleslaw wurde nach zwei kurzen Ehen mit der Tochter von Dobromir, eines slawischen Machthabers wohl aus der Umgebung von Lausitz vermählt. Die Ehe sollte insbesondere die tschechischen Nachbarn im Süden im Schach halten. 983 brach ein Aufstand der Wilzen aus, wie man slawische Stämme im heutigen Brandenburg, Vorpommern und östlichem Mecklenburg nannte. Einige Jahre später schlossen sich ihnen die Obodriten, ein weiterer slawischer Stammesverband aus der Gegend des heutigen Mecklenburgs und Holsteins, mit ihrem Anführer Msciwoj an. Der dritte Stamm der Elbenslawen, die Sorben, die die Gebiete des heutigen Sachsens bewohnten, trat ihnen nicht bei. Die Koalition verzeichnete dennoch beträchtliche Erfolge und konnte sogar Hamburg niederbrennen. In der Zwischenzeit wurde das Kind Otto III. der neue Kaiser. Heinrich der Zänker griff erneut nach der Krone, sodass im Reich ein weiterer Bürgerkrieg entflammte. Mieszko unterstützte vorsichtig Otto III., indem er Truppen gegen die Wilzen und Obodriten schickte. Dank seinem Einsatz gewann er bei dem auf wackligen Beinen stehenden Kaiser Vertrauen, welches er dazu nutzte, um zwischen 987-990 von Tschechien das heutige Schlesien und Kleinpolen zu erobern. Die Tschechen verbanden sich mit den Wilzen, konnten jedoch militärisch kein ausreichendes Gegengewicht bieten. Der Krieg verlief gänzlich im Sinne von Mieszko, zumal er innerhalb von nur drei Jahren so grosse Gebiete einnehmen konnte. Nach diesem bemerkenswerten Erfolg wurden die polnischsprachigen Stämme unter dem Piastenherrscher vereint. Als Mieszko im Mai 992 starb, hinterliess er neben Boleslaw noch drei weitere Söhne aus späterer Ehe. Dem drohenden Zerfall des Reiches beugte der erstgeborene Sohn vor, indem er seine Konkurrenten aus dem Lande vertrieb. Bei dieser Darstellung kann der Autor die vielschichtigen Verhältnisse und wechselnde Allianzen dank verständlicher Sprache und übersichtlichem Aufbau sehr gut veranschaulichen.

3 Sehr spannend sind einige Zitate des zeitgenössischen Chronisten Thietmar, die der Autor gerne anführt. So schrieb er, dass das Volk in Polen „eine ständige Kontrolle, dem Rindvieh gleich, und die Peitsche, einem Esel gleich“ benötige und sich „nicht regieren lasse, wenn der Herrscher keine strengen Strafen anwende“. Anschliessend schilderte Thietmar jene Strenge an konkreten Beispielen. Ebenfalls wertvoll sind die Informationen des Autors zu den kriegerischen Wilzen, die wegen der allgemeinen Wehrpflicht der Bevölkerung bis zu 30'000 Krieger aufstellten konnten. Daher fürchtete der Kaiser aus gutem Grund, dass Polen dem Bündnis von Tschechen und Wilzen beitreten könnten, zumal ihre Sprache der der Wilzen sehr ähnelte. Der Autor erläutert danach kurz den Märtyrertod von Wojciech auf seiner Missionsreise zu den heidnischen Prussen 997.

4 Im nächsten Kapitel befasst er sich mit den unmittelbaren Kriegsursachen. Die wichtigste stellte die Synode von Gniesno im Jahre 1000 dar. Damals pilgerte der junge Kaiser Otto III. zum Grabe des mittlerweile heiliggesprochenen Wojciech und gewährte dabei Boleslaw zahlreiche Privilegien. Als mögliche Motive dahinter vermutet der Autor, dass Otto die beiden Kaiserreiche im Westen und Osten wieder vereinen wollte und dafür eine schlagkräftige Armee brauchte. Die Byzantiner würden schliesslich nicht tatenlos zusehen, wie sie um ihre Krone gebracht werden, auch die Sarazenen dürften versuchen, den Streit unter Christen für eigene militärische Vorteile zu nutzen. Daher wollte der Kaiser zunächst alle Gebiete in seinem Einflussbereich einen. Mit seiner Annahme geht der Autor deutlich weiter als viele andere Forscher. Unumstritten ist, dass Otto III. sich eine stabile Grenze im Osten seines Reiches wünschte. Dafür mussten die unmittelbaren Nachbarn, die slawischen Wilzen, befriedigt werden. Dieser kriegerische Stamm verlangte von allen drei Ottos viel Aufmerksamkeit, die sie lieber in italienische Angelegenheiten investieren würden. So erschien Boleslaw von Polen, selber ein erklärter Feind der Wilzen und Obodriten, als ein möglicher Stabilisierungsfaktor der deutschen Ostgrenze. Ausserdem kannte er nach seiner Geiselhaft die deutsche Sprache und die Mentalität, war ein begnadeter Redner und hatte treue Truppen bei sich. Im Gegensatz zu seinem Vater und Grossvater machte Otto III. nur gute Erfahrungen mit den Machthabern in Gniesno. Sie unterstützten die ihn militärisch, Mieszko I. schenkte ihm sogar zur Freundschaft ein sehr exotisches Geschenk – ein Kamel. Daher wollte Otto III. das Bündnis mit Polen zementieren, indem er Boleslaw mit Privilegien überhäufte. So liefert der Autor erneut sehr lebhafte und interessante Blicke hinter die Kulissen. Es ist ihm jedoch vorzuhalten, dass er auf die Privilegien zu wenig eingegangen ist. Der Autor hätte wenigstens in ein paar Sätzen erklären können, dass in Gniesno ein Erzbistum errichtet wurde. Schlesien unterstand bis jetzt der Prager und Krakau der Olmützer Diözese. Dank langer Überzeugungsarbeit von Boleslaw in Rom wurden auf diesen Gebieten neue Bistümer mit Sitzen in Breslau und Krakau errichtet und dem Gniesner Erzbischof unterstellt. Ein weiteres Bistum entstand in Kolberg. So wurde Polen dem Einfluss des Mainzer Erzbischofs entzogen. Der aktuelle sowie alle künftigen Herrscher in Polen erhielten zudem weitgehende Investiturrechte. Neben der kirchlichen Unabhängigkeit wurde Boleslaw von seinen Tributzahlungen entbunden. Die Beschlüsse von Gniesno gingen folglich sehr weit.

5 Als der Kaiser 1002 unerwartet und kinderlos verstarb, meldeten der schwäbische Fürst Hermann II., der bayrische Fürst Heinrich III. und der Graf von Meissen Ekkehard die Kronansprüche. Der Autor vermutet, dass der mit Abstand schwächste Ekkehard die Pläne von Otto aufgriff, was ihm die Unterstützung von Boleslaw sicherte. Er geht in diesem Zusammenhang zu wenig auf anders gerichtete Meinungen in der Forschung ein. Selbst Thietmar erwähnte in seiner Chronik, dass Boleslaw sich darüber sehr gefreut habe, als Ekkehard in Nordheim erschlagen wurde. Der Autor hätte zumindest kurz erklären müssen, warum er dies dennoch für unglaubwürdig und Ekkehard für den Verbündeten Boleslaws hält.

6 Die Schilderung der darauf folgenden Geschehnisse gerät hingegen sehr gut. Jeder Satz enthält wichtige, für den nachfolgenden Satz entscheidende Informationen, sodass der Text kurz und in sich geschlossen ist. Dies zeugt von einer gewissen Begabung des Autors. Während der bayrische Fürst sich durchsetzte, besetzte Boleslaw Lausitz, Milsko (heute Oberlausitz) und Meissen. Als Proteste seitens der sächsischen Grafen eingingen, antwortete Boleslaw gemäss Thietmar, dass es so mit dem bayrischen Heinrich abgemacht worden sei. Der neue Machthaber liess sich in Merseburg Heinrich II. zum deutschen König krönen. Dabei erschien Boleslaw in voller Rüstung vor ihm, um ihn damit an seine vor zwei Jahren erhaltenen Privilegien zu erinnern. Schliesslich war er nicht mehr tributpflichtig. Sobald jedoch Boleslaw mit Heinrich von Schweinfurt, der vom neuen König ebenfalls enttäuscht war, die Burg verliess, wurden sie von Bewaffneten überfallen und konnten nur mit Mühe flüchten. Zwar berief sich der heinrichtreue Chronist Thietmar sogar auf Gott, um zu beweisen, dass der König mit dem Anschlag nichts zu tun hatte. Ihm käme jedoch ein Ableben von zwei Widersachern sehr gelegen. Es wundert kaum, dass die Berater Heinrichs II. die vielen Privilegien von Gniesno wieder rückgängig machen wollten.

7 Der Vorfall in Merseburg zwang Boleslaw, seine Politik gegenüber dem deutschen Nachbarn zu überdenken. Als in Tschechien nach dem Ableben von Boleslaw II. dem Frommen ein Streit unter den drei Söhnen um die Nachfolge ausbrach, ging Boleslaw III. der Rote vorerst als Sieger hervor. Weil er mit der Oberschicht nicht auskam, wurde er vertrieben, konnte aber mit der Hilfe des gleichnamigen Herrschers aus Polen den Thron bald wieder besteigen. Weil er aus Rache Morde an seinen Widersachern verübte, wandte sich nun die Oberschicht an den polnischen Fürsten Boleslaw. Dieser bat Boleslaw III. um ein Treffen auf einer Burg, wo er ihn blenden und vertreiben liess, um danach in Prag als neuer Herrscher einzumarschieren. Dieser Griff nach Macht machte auf Heinrich grossen Eindruck, zumal Boleslaw bewies, dass er intelligent und listig war, die Bewegungen anderer Parteien vorhersehen und mit den Figuren beliebig steuern konnte. Erneut beschreibt der Autor die Vorgänge sehr lebensnah und beurteilt den grossen Piastenherrscher sehr objektiv. Heinrich II. war mit den Aufrührern in seinen eigenen Reihen beschäftigt, die Boleslaw aus eigenem Interesse unterstützte. Während dessen profitierte er von den tschechischen Silberminen und dem grössten Sklavenmarkt in Europa, der sich damals in Prag befand. Der Autor ist auch bei dieser Darstellung sehr bündig, sachlich und informativ. Man müsste noch erwähnen, dass Boleslaw nicht nur in Böhmen, sondern auch in Mähren und der Slowakei regierte. Weil er ausserdem Herrscher in Polen, der Lausitz und Meissen war, vereinte er 1003 enorme Gebiete in seiner Hand. Bemerkenswert sind die Kriegszüge von Boleslaw, die sogar Bayern erreichten. Der Autor beschreibt die Figuren mit viel Distanz, sogar die Schilderung von Boleslaw, der im Jahre 1003 so beträchtliche Gebiete erobern konnte, ist sachlich, kühl und ohne den Schatten eines nationalen Pathos. Der Autor bemerkt, dass Heinrich II. und Boleslaw I. trotz vieler Unterschiede eine grosse Gemeinsamkeit hatten. Beide konnten sehr gezielt nach Macht streben, wobei sie nicht sehr wählerisch bei den Mitteln waren.

8 Die Kriegsreise von Heinrich gegen den allzu mächtig gewordenen Boleslaw verlief 1003 ohne Erfolge, sodass er sich im nächsten Jahr besser vorbereitete. Bei der Darstellung der diplomatischen Vorkehrungen ist der Autor erneut sehr konkret und streut interessante Hintergrundinformationen ein. So hofierte Heinrich II. die Wilzen, bei denen die Kapläne von Radegast die politischen Zügel in der Hand hielten. Ausserdem gewann er für sich Jaromir, den jüngeren Bruder des gestürzten Boleslaw des Roten. Heinrich II. begab sich somit nach Tschechien, um zu befreien, und nicht etwa, um zu erobern. Als Versammlungsort gab er Merseburg bekannt, was Boleslaw I. von Polen über seine Spione erfuhr, sodass er mit einem Heereszug in die Lausitz und dann weiter ins Landesinnere rechnen musste. Der deutsche König griff jedoch Prag an. Bald kündigte ganz Tschechien Boleslaw die Treue. Bei ihm verblieben noch Mähren und die Slowakei. Heinrich II. nutzte die Erfolge und marschierte im Herbst 1004 nach Bautzen, welches sich nach langer Belagerung ergab. Boleslaw konnte noch den freien Abzug seiner Truppen aushandeln. Die Kriegsreise aus 1005 erreichte sogar die Burg Posen in Grosspolen. Erst dort konnte Boleslaw die kleineren deutschen Truppen, die sich zur Nahrungssuche und Brandschatzung vom Hauptheer entfernen, einkreisen und vernichten. Thietmar berichtete, dass die deutschen Verluste dort gross waren, was man ihm wegen seiner parteiischen Haltung auch sofort glauben kann. Nachdem der deutsche Vorstoss gestoppt wurde, verpflichteten sich die Parteien zum Frieden. So liefert der Autor wieder eine sehr lebhafte Beschreibung, die gut, an gewissen Stellen sogar sehr gut, das Kriegsgeschehen verbunden mit politischen Gegebenheiten schildert. Die Tschechen teilten Heinrich II. bald danach mit, dass er sich unter den ausgehandelten Bedingungen ihrer Treue nicht sicher sein könne. Das militärische Potential von Boleslaw war nach wie vor gross, sodass der König, was selbst der heinrichtreue Chronist Thietmar zugab, den Frieden aufkündigte.

9 Im Jahre 1007 erreichte Boleslaw in einem raschen Vorstoss Magdeburg, die zusammen mit den Gebieten von zwei heinrichtreuen slawischen Stämmen ausplünderte. Auf dem Rückzug einverleibte er sich erneut die Lausitz. Der Autor vermutet, dass so schnelle Eroberung damit zusammenhing, dass der Grossteil der dortigen (slawischen) Bevölkerung sich Boleslaw als Herrscher wünschte. Auch war Heinrich mit zahlreichen anderen Sachen beschäftigt. Während 1008 im deutsch-polnischen Grenzgebiet nicht viel passierte, brachte das Jahr 1009 neue Kämpfe, insbesondere den polnischen Kriegszug nach Meissen, mit sich. Im nächsten Jahr wagte freigewordene Heinrich II. einen neuen grossen Vorstoss. Weil Boleslaw offenbar seine ganze Aufmerksamkeit der Westgrenze widmen konnte, umgarnte er die Wilzen, die 1010 den deutschen König nicht mehr unterstützten. So wurde aus einer grossen Kriegsreise eine wesentlich kleinere, die sich darauf beschränkte, nach Glogau vorzustossen. Boleslaw wagte keine offene Schlacht, weil er genau wusste, dass sogar der Sieg ihn mehr als seinen deutschen Widersacher die Niederlage schwächen würde. In der Tat hätte der deutsche König leichter als der polnische Fürst neue Truppen aufstellen können. So offenbart der Autor eine Konstante in seinem Buch, zumal seine Beschreibungen wieder informativ, lebhaft und spannend sind. Seinen Analysen zum Kriegsgeschehen lässt sich ebenfalls auf breiter Front beipflichten.

10 Die inneren Seilschaften, die im Jahre1011 praktisch in jeder deutschen Provinz ausbrachen, verhinderten einen grösseren Krieg. Heinrich II., der sich sogar mit den heidnischen Elbeslawen arrangieren konnte, dürfte 1012 seine Pläne so geändert haben, dass er sich damit begnügte, die Grenze zum kriegerischen Boleslaw zu befestigen. Als Hauptburg wählte er Lubusza, die nach dem Vorbild von Merseburg eine grosse Festung mit deutscher Besatzung werden sollte, um die Treue der slawisch bewohnten Lausitz zu erzwingen. Erneut liefert der Autor viele interessante Informationen aus der Gründungszeit von Merseburg. Als Boleslaw davon erfuhr, stürmte er die Burg 1012, die von rund tausend Deutschen verteidigt wurde, und liess sie niederbrennen. Dank seinen Werbeaktionen hatten die Wilzen es nicht mehr eilig, die Deutschen zu unterstützen, auch in Tschechien wurde Jaromir von seinem jüngeren Bruder Uldaryk von der Macht entfernt. Bald danach, 1013, machte Boleslaw wegen der Vorkommnissen in Ruthenien an der Ostgrenze des polnischen Staates ein Friedensangebot. Er wollte seinem abgesetzten Schwager zurück auf den Thron helfen und seine Schwester befreien. Heinrich II. stimmte dem Angebot zu, zumal es in Rom zu Machtverschiebungen kam, von denen er hätte profitieren können. Die recht komplexen Situationen in Ruthenien und Rom stellt der Autor kurz, etwas vereinfachend, dafür aber gut übersichtlich dar. Während Boleslaw nur teilweise Erfolge in Ruthenien verbuchte, liess sich Heinrich II. 1014 zum Kaiser krönen.

11 Der Autor beschreibt anschliessend einen Vorfall, der sich in der mitteleuropäischen Geschichte nur selten zutrug. Boleslaw ersuchte Prag um Frieden, wobei es klar ist, dass dies einen neuen Krieg gegen Heinrich bedeuten würde. Um den Verhandlungen an Glanz zu verleihen, bestimmte er, dass an der Spitze sein Sohn, Mieszko, stehen sollte, den er praktisch als den nächsten Herrscher eingesalbt hatte. Die Tschechen ergriffen und überstellten ihn dem Kaiser auf dessen ausdrücklichen Wunsch. Als Boleslaw I. Heinrich II. um die Freilassung seines Sohnes ersuchte, zögerte er. Der Autor äusserte bereits ein paar Mal die Vermutung, dass er persönliche Abneigung gegen den polnischen Herrscher empfunden habe. Jetzt findet er seine Meinung bestätigt. Boleslaw bestach daraufhin einige der einflussreichen deutschen Grafen, die dem Kaiser die Freilassung nahelegten. Als er dem Rat nachkam, veranstaltete er vor einem gewissen Stoigniew, einem Vertrauten Boleslaws, ein Schauspiel, bei dem barfuss stehende Leute ihn um Vergebung baten. Es dürfte klar gewesen sein, dass Heinrich dieselbe Geste von Boleslaw erwartete. Erst als Stoigniew mit Mieszko zurück in die Heimat reiste, merkte der Kaiser, dass sein Schauspiel in Gniesno als Demütigung aufgefasst werden könnte. Er schickte seinerseits Boten, die Stoigniew bezichtigten, den kaiserlichen Willen falsch wiedergegeben zu haben.

12 Weil weitere Gespräche jedoch ergebnislos verliefen, rüstete der Kaiser zum nächsten Krieg. Im Sommer 1015 nahm er sich einen kühnen Plan vor. Er teilte sein grosses Heer in drei kleinere Armeen auf, die unabhängig voneinander ins Feindesland vorstiessen. Die Zersplitterung der Kräfte zwang Boleslaw, an vielen Stellen die Flussübergänge zu überwachen, was den kaiserlichen Truppen ihre Einnahme erleichterte. Es solches Manöver hatte auch den Vorteil, dass die Verpflegung leichter und der Vormarsch schneller waren. Die mittlere Armee, wo sich auch der Kaiser befand, bediente sich vor dem Sturm an der Oder einer List. Heinrich II. schickte Boten zu den Polen, um Mieszko, den er bei ihnen vermutete, ins Gewissen zu reden. Dies war aber nicht das Ziel, sondern diente einzig und alleine der Auskundschaftung. Danach wusste der Kaiser, dass Boleslaw, und mit ihm die Haupttruppen, sich an anderer Stelle befanden. Er wagte die Flussüberquerung, die anschliessende Schlacht verlief vor allem für die Polen verlustreich. Indes plünderte die nördliche Armee, bestehend aus Sachsen und Wilzen, die Grenze aus. Statt aber weiter ins Landesinnere zu marschieren, begab sie sich mit viel Beute nach Hause, da es ihnen klar war, dass ein weiterer Marsch sie dieser Beute verlustig machen würde. Auch die südliche Armee, bestehend aus Bayern und Tschechen, verfolgte bald partikuläre Interessen. Weil die Mähren und Polen ins nördliche Bayern einfielen, kehrten Süddeutsche um, um ihre Heime zu verteidigen. Die Tschechen ohne die Bayern beschränkten sich darauf, gut befestigte Burgen im polnisch-tschechischen Grenzgebiet zu bestürmen. So blieb die mittlere Armee mit dem Kaiser auf sich gestellt. Heinrich II. begriff den Ernst der Lage nicht sofort. Als er jedoch die Nachrichten von den anderen zwei Armeen vernahm, beschloss er sofortigen Rückzug, der sehr bald zur Flucht mutierte. Jetzt hatte Boleslaw stärkere Truppen bei sich, was er unbedingt ausnutzten musste. Als der Kaiser seinen Lager in einem Sumpfgebiet aufschlug und am nächsten Morgen losmarschierte, liess er zahlreiche Truppen im Lager zurück, die den Eindruck erwecken sollten, es handle sich um die Hauptarmee. Boleslaw überquerte wider Erwarten die Sümpfe, womit er die Truppen im deutschen Lager umkreiste. Diese wurden in drei gleichzeitigen Angriffen von zwei Seiten völlig überrascht. Die Sümpfe annullierten den Vorteil ihrer festen Rüstungen. Im Nahkampf war Boleslaw überlegen, auch nutzte er seine Bogenschützer, die vor allem tapferere kaiserliche Krieger aus sicherer Entfernung erschossen. So wurden die deutschen Truppen völlig aufgerieben. Der Kaiser floh weiter, Boleslaw wollte den Vorteil maximal ausspielen und liess seinen Sohn mit einem Teil seiner Streitmacht erneut ins Gebiet von Meissen einfallen. Ausser seiner spannenden Beschreibung kann der Autor den wenigen Quellen sehr viele Informationen entnehmen. Trotz knapper Quellenbasis erhält das Ringen zwischen Boleslaw dem Tapferen und Heinrich II. sehr viel Farbe.

13 Die kaiserliche Niederlage von 1015 bedeutete noch kein Kriegsende. Heinrich II. pochte auf Rache, die vielen Geschehnisse von 1016 hielten ihn jedoch davon ab. Auch Boleslaw I. musste unerwartet sich den ruthenischen Angelegenheiten widmen. Der Kaiser übte auf ihn Druck aus, auf die Lausitz und Meissen zu verzichten, worauf der tapfere Herrscher in Gniesno nicht einging. So holte Heinrich II. zum definitiven, wie er glaubte, Schlag aus. Im Jahre 1017 versammelte er eine riesige Streitkraft und zog nach Polen.

14 So kommt der Autor, nach langer Darstellung des bisherigen Krieges dazu, die im Titel angekündigten Vorfälle von Nimtsch (pl. Niemcza) zu beschreiben. Zunächst widmet er sich der Bewaffnung und den Kriegstechniken der Parteien, danach geht er zu diplomatischen Spielen der Akteure über. Heinrich II. bat den ruthenischen Fürst Jaroslaw darum, zeitgleich Polen im Osten anzugreifen, auch versuchte er, für den kommenden Kriegszug die Ungarn zu gewinnen. Um Jaroslaw im Schach zu halten, nahm Boleslaw Kontakt zu den Petschengen, einem nomadischen Nachbarvolk der Ruthenen, sowie zu Mscislaw, seinem Rivalen in Ruhtenien, auf. Der Autor erklärt zu wenig verständlich, warum die Ungarn keinen Anlass zum Krieg gegen Boleslaw sahen, zumal sich Mähren und die Slowakei weiterhin in polnischer Hand befanden. Insbesondere das letztgenannte Land war das Ziel ihrer Expansion. Offenbar beschränkten sich die Ungarn darauf, die Slowakei schrittweise zu erobern, was der dortige Vertraute Boleslaws, Prokuj, nicht ganz verhindern konnte. Im Westen überredete Boleslaw die Obodriten zum Frieden, was die Wilzen ihnen übel nahmen und ein Jahr später mit Krieg bestrafen. Ausserdem dürfte Boleslaw auch im Norden, von Dänemark, Hilfe bekommen haben, da seine Schwester Swietoslawa die Mutter der dortigen Herrscher Kanut und Harald war. So ist die Darstellung komplexen Wechselbeziehungen, die bereits vor tausend Jahren in der Politik bestanden, trotz der oben thematisierten Unzulänglichkeiten eine klare Stärke des vorliegenden Buches.

15 Der Autor bemerkt, dass Boleslaw über ein gut funktionierendes Netz von Spionen verfügte, dank dem er über die Pläne des Kaisers Bescheid wusste. Insbesondere musste Heinrich II. ein Versammlungsort und –datum bekannt geben, was Boleslaw unverzüglich zu Raubausfällen nach Tschechien und Bayern ausnutzte. Anhand des Versammlungsortes konnte er auch die künftigen Bewegungen des Kaisers vorhersehen und mit Befestigung seiner Marschruten beginnen. Die grosse Koalition aus Deutschen, Tschechen und Wilzen marschierte trotz ständiger Zermürbungsangriffe von Boleslaws Truppen im Juni und August 1017 in Schlesien ein. Um nach Grosspolen vorzustossen, musste der Kaiser noch die Oder überqueren, die jedoch von Boleslaw mit aller Sorgfalt verteidigt war. Dies wagte er jedoch nicht und begab sich weiter in Richtung Südosten. Spätestens dann dürfte ihn der tschechische Machthaber überzeugt haben, dass er für seine bisherige Hilfe wenigstens eine grosse Burg erwarte. Während dessen waren die Pläne des Kaisers eine grosse Unbekannte für die polnische Führung. Sie folgten den kaiserlichen Truppen am anderen Oderufer. Sobald die Koalition weiter ins Landesinnere vorstiess, konnten immer neue Burgen und Städte als mögliche Angriffsziele ausgeschlossen werden. Als der Fluss Bystrzyca überquert wurde, wusste Boleslaw, dass die grosse Burg Nimptsch das kaiserliche Ziel war. Es begann ein regelrechtes Wettrennen auf die Burg, das die kaiserlichen Truppen dank ihres Vorsprungs gewannen. Als sie den Belagerungsring anlegten, wurden sie zwei Mal von polnischen Reitern angegriffen, die sich erfolgreich zur Burg durchschlagen konnten. Dies war für die Verteidigung wesentlich, zumal eine so weit im Landesinneren liegende Burg nicht gerade mit den besten Truppen ausgestattet wurde. Die Darstellung der Truppenbewegungen ist sehr plastisch und zieht den Leser in seinen Bann. Mit seiner erzählerischen Art erreicht der Autor, dass sein Buch sich nicht nur mit der Geschichte befasst, sondern auch literarisch ist.

16 Um das Ausmass der Belagerung wiederzugeben, nimmt der Autor eine Schätzung der beiden Armeen vor. Die Stärke der kaiserlichen Koalition kann nur schwierig benannt werden. Der Autor analysiert die Aussagen des Zeitgenossen Thietmar. Er berichtete davon, dass rund 12 „Legien“ zum schnellen Marsch auf die Burg Nimpsch ausgesondert wurden. Dies bedeutet zum einen, dass der Kaiser noch mehr Krieger unter sich hatte, zum anderen, dass die ausgesonderte Einheit mindestens gleich stark wie die polnischen Truppen gewesen sein musste, da sie andernfalls der Gefahr einer Vernichtung ausgesetzt gewesen wäre. Der Autor erklärt, dass nach mittelalterlichem Sprachgebrauch eine „Legion“ ca. 1'000 Krieger bezeichnete, was aber unter gegebenen Umständen wohl schwer erreichbar wäre, sodass man die Schlagkraft einer deutschen „Legion“ auf 800 Männer schätzen kann. Demnach hat der Kaiser rund 10'000 Krieger zum schnellen Vormarsch ausgesucht. Die Hauptarmee war zahlenmässig bestimmt nicht kleiner. Der Autor schätzt sie auf ca. 20'000 bis 30'000 Krieger ein. Eine derart hohe Zahl bringt ihn sogleich in Erklärungsnotstand, dem er nur unbefriedigend nachkommt. Hingegen kann dem Autor beigepflichtet werden, dass die Hauptarmee mindestens genauso stark gewesen sein musste, wie die Truppen, die im schnellen Vorstoss die Burg erreichen sollten. Die Stärke der zweitgenannten Truppe lag bei mindestens 10'000 Kriegern. Demnach muss die Hauptarmee, die einige Tage später nachzog, mindestens weitere 10'000 Männer gehabt haben. Folglich führte der Kaiser in der Tat Truppen mit mindestens 20'000 Bewaffneten mit sich.

17 Die Zahl der Krieger, die Boleslaw der Tapfere im Jahre 1017 zur Verfügung hatte, bezeichnete genau Thietmar in einem Vermerk, laut dem der Sohn Mieszko während des langsamen kaiserlichen Vormarsches Tschechien mit 10 „Legien“ überfiel. Demnach hatte Boleslaw nicht weniger als die besagten 10 Legien, also rund 8’000-10'000 Krieger. Der Autor äussert die Vermutung, dass er kaum mehr Kräfte hätte mobilisieren können. Dem kann nicht beigepflichtet werden, zumal einige Krieger mit der Verlangsamung des Kaisers beschäftigt gewesen sein müssten. Ausserdem musste – wie der Autor nachher zu Recht vermerkt – auch die Westgrenze gegen die Einfälle der kriegerischen Wilzen, die auf eigene Faust ins Land einfielen, abgesichert werden. Nachher zitiert er Gall Anonymus, einen Chronist aus dem frühen 12. Jh., gemäss dem Boleslaw der Tapfere rund 3'900 gepanzerte Krieger und 13'000 sog. Schildkrieger hatte. Der Autor ist aber der Meinung, dass man diese Angaben durch zehn (!) teilen sollte, was keineswegs nachvollziehbar ist. Nachher nimmt er eine eigene Schätzung der polnischen Streitkräfte vor. In Grosspolen, wo die Polanen ansässig waren, vermutet er eine Streitmacht von rund 6'000 Kriegern. Weil andere Gebiete von den Polanen erobert wurden, dürften sie höchsten die Hälfte des obigen Potentials aufrufen können, was nochmals 3'000 Krieger ausmacht. So schenkt der Autor am Schluss der Bemerkung von Thietmar, der von 10 Legien sprach, doch Glauben. Wie bereits vermerkt, dürfte Boleslaw mehr Krieger in seinen Diensten gehabt haben, da einige von ihnen den Vormarsch des Kaisers verlangsamen, andere wiederum die Westgrenze absicherten. Sehr interessant sind einige kurze Bemerkungen zur nationalen Abstammung: Boleslaw hatte in seinen Diensten neben Slawen auch einige wenige Skandinaven mit einem wohl sehr hohen Kampfwert. Für eine solche Annahme sprechen die Gräberfunde sowie das gute Verhältnis zu Dänemark, zu dem Boleslaw über seine Schwester auch dynastische Verbindungen hatte.

18 Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Sturm beschreibt der Autor Nimpsch, die in vieler Hinsicht einmalig war. Sie bestand aus drei miteinander nicht verbundenen Burgen, die voneinander durch Wassergraben getrennt waren. Anders als die meisten Burgen ihrer Zeit war Nimpsch nicht aus Holz und Erde, sondern aus Steinen und dahinter Holzschichten. Sie hatte eindrückliche Mauermasstäbe von 15 Metern Dicke und ca. 8 Metern Höhe. Die Steine verhinderten, dass die Wälle angezündet werden konnten. Mitte September 1017 dürfte es zu einem grossen Sturm auf die Burg gekommen sein, bei dem die Deutschen neben grossen Steinschleudern auch Belagerungstürme einsetzten, die jedoch von Verteidigern während des Sturms mit Fackeln in Brand gesteckt wurden. Auch der nächste Sturm, den die Tschechen vornahmen, konnte dank viel Aufopferungsbereitschaft abgewehrt werden. Weil der Chronik von Thietmar nicht viele Aussagen entnommen werden können, greift der Autor zu den Beschreibungen aus der Belagerung von Glogau aus 1109. Obwohl dies nicht unproblematisch ist, kann vorliegend angenommen werden, dass sich ähnliche Szenen auch vor Nimpsch hundert Jahre zuvor abgespielt haben. Die Verteidiger bedienten sich psychologischer Mittel. So stellten sie in der mittleren Burg auf derjenigen Seite, wo die heidnischen Wilzen lagerten, ein grosses Kreuz auf. Dies sorgte für Zwist in kaiserlichen Reihen, zumal die deutsche Elite ihre Gefühle gegenüber den Heiden aus Staatsräson versteckte, die einfachen deutschen Krieger ihre Verachtung jedoch offen zum Ausdruck brachten. Da die Belagerung keinen Erfolg mit sich brachte und der Herbst langsam zu Ende ging, befahl der Kaiser den Rückzug über Tschechien. Während dessen griffen die Truppen Boleslaws die Gebiete zwischen Elbe und Mulde an, die sich brandschatzten und plünderten. Nach dem Kriegszug von 1017 wurde dem Kaiser definitiv klar, dass er Polen unter ihrem unternehmerischen Herrscher nicht in die Knie zwingen konnte. Auch die Verbündeten begriffen, dass ein Sieg über Boleslaw nicht erreichbar war. Nach fünfzehn Jahren Krieg hatte der Kaiser endgültig genug.

19 Die Parteien schlossen am 30. Januar 1018 in Bautzen in der Lausitz Frieden, den der Autor erneut sehr sachlich und bündig analysiert. Wie er feststellt, haben sich auf deutscher Seite statt des Kaisers die sächsischen Machthaber verpflichtet. Der Kaiser liess im Vertrag theoretisch einen Türspalt für sich offen. In der Praxis jedoch schworen die Sachsen im Namen des Kaisers, der keine andere Wahl hatte, als einzuwilligen. Thietmar kritisierte, dass der Frieden nicht unter den Bedingungen geschlossen wurde, die er sich wünschte. Der Autor stimmt mit dem Chronisten darin überein, dass der Vertrag ein klarer Erfolg für Boleslaw war. Er erhielt die Lausitz und Milsko (heute Oberlausitz), ausserdem erreichte er wichtige diplomatische Erfolge, indem er allen zeigte, dass er in der Praxis ein unabhängiger, den Königen ebenbürtiger Herrscher war. Boleslaw band die genannten Ländereien mit einem Ehevertrag noch stärker an sich, zumal seine neue Ehefrau aus dieser Gegend stammte.

20 Der Autor beschreibt danach kurz und sehr informativ die Zeit nach dem Frieden, der beiden Parteien die Hände freimachte. Heinrich II. setzte seine Expansion in der Burgund fort, Boleslaw hingegen zog mit seinem Heer gegen den östlichen Nachbarn, das mächtige Reich der Ruthenen. Er besiegte sie überraschend schnell in einer einzigen Schlacht, nahm ihre Hauptstadt Kiew ein und ersetzte den herrschenden Jaroslaw mit einem neuen Machthaber seiner Wahl, Swiatopelk. Anschliessend sandte er zum deutschen und zum byzantinischen Kaiser Boten, die ihnen einen Teil seiner reichen Beute schenkten. Dem Zweitgenannten bot er seine Freundschaft an und drohte zugleich mit Krieg, falls er sie nicht annehme. Der Autor legt glaubhaft nahe, dass die Gesandschaft an die Byzantiner ein Schachzug gegen den deutschen Kaiser war. Er sollte über seine Drohungen an die Adresse der Griechen und somit auch über die Souveränität von Boleslaw informiert werden. Seine faktische Unabhängigkeit besiegelte Boleslaw offiziell nach dem Ableben Heinrichs II., indem er sich im Jahre 1025 zum König krönte. Für Boleslaw war also die Zeit nach dem Bautzener Frieden noch erfolgreicher als der bisherige Krieg.

21 Der Autor schildert das lange Ringen zwischen Boleslaw dem Tapferen und Heinrich II. sehr lebendig, bildreich, leicht verständlich. Das Buch liest sich schnell und zieht wirksam in seinen Bann. Wie man es heutzutage ausdrückt, weist es Suchtpotenzial auf. Politische Gegebenheiten und kriegerische Auseinadersetzungen werden sehr anschaulich und vor allem auch spannend dargestellt. Immer wieder staunt man darüber, wie viele Informationen sich den wenigen Quellen dank logischen Analysen entnehmen lassen. Im Anhang empfahl der Autor nach der Auflistung von Quellen und Sekundärliteratur noch Belletristik zu diesem spannenden Thema. Dem kann noch ein weiteres Buch, „Boleslaw zwany Chrobrym“ (dt. „Boleslaw genannt der Tapfere“) von Anna Lisowska-Niepokólczycka, angefügt werden.

Rezension vom 30. Juni 2016
© 2016 fhi
ISSN: 1860-5605
Erstveröffentlichung