Zeitschrift Debatte Wahrnehmung und Anwendung des französischen Rechts als Vorbi

Herausgegeben von: Hans-Peter Haferkamp
Massimo Meccarelli
Stefano Solimano

Wahrnehmung und Anwendung des französischen Rechts als Vorbild im Europa des 19. Jahrhunderts

Ziel der nachfolgenden Beiträge ist es, die wissenschaftliche und praktische Wahrnehmung und Anwendung des französischen, und insbesondere napoleonischen Rechts im 19. Jahrhundert zu thematisieren.

Die Einführung der französischen Gesetzbücher - deren 200. Jubiläum man sich in diesen Jahren zu feiern anschickt - hat, wenn auch in den einzelnen Ländern unterschiedlich, den Beginn einer neuen und entscheidenden Phase des Rechtslebens auf unserem Kontinent gekennzeichnet.

Die europäische Geschichtswissenschaft hat das Erbe des französischen Rechts in den letzten Jahren in einer Vielzahl von Studien beleuchtet. Viele Fragen bleiben gleichwohl weiterhin zu diskutieren. Insbesondere gilt dies für die konkreten Einflüsse des französischen Rechts auf die Ursprünge der heutigen europäischen Rechte.

Unsere Zielsetzung konnte es nicht sein eine gemeinsame Gesamtdeutung des Verhältnisses zwischen dem napoleonischen Recht und seinen 'Sprösslingen' vorzulegen. Etwas bescheidener beabsichtigen wir, anhand konkreter Einzelfragen die bisherigen Deutungen zu überprüfen bzw., wenn man so will, in einzelnen Fällen zu dekonstruieren. Besondere Betonung soll dabei den Besonderheiten bei der Verbreitung des französischen Rechts zuteil werden.

In Einzelstudien sollen Betrachtungen zum französischen Recht als 'Modell' mit notwendig differenzierten konkreten historischen Befunden in ein Gespräch gebracht werden. Dabei soll die Verschiedenheit der Perspektiven und Umsetzungen herausgestellt werden.

Das Forum Historiae Iuris möchte, seiner Zielsetzung entsprechend, anhand dieses europäischen Themas in dreifacher Weise nationale Besonderheiten zu einem gesamteuropäischen Blick zusammenführen: Personell, indem hier Rechtshistoriker Traditionen untersuchen, durch die sie selbst geprägt wurden. Perspektivisch, indem der Blick auf diese Wahrnehmungs- und Anwendungsprozesse diese nationalen Traditionen widerspiegelt. Methodisch, indem die vielförmigen rechtshistorischen Methoden reflektiert werden, die heute in Europa praktiziert werden.

In diesen Sinn richten wir an die wissenschaftliche Gemeinschaft unserer Leser die Einladung, sich an diesem europäischen Gespräch zu beteiligen.